16.12.07

Warum Riesling?

Von: Christina Fischer u. Ingo Swoboda, Fotos: Faber & Partner

Am Riesling scheiden sich die Geister. Die Rebsorte war und ist ein Wagnis, eine Gratwanderung während der Reifeperiode einer Traube, dabei eine handwerkliche Herausforderung für den Winzer und eine geschmackliche für die Konsumenten.

Christina Fischer

Christina Fischer

Riesling wird leicht unterschätzt. Dabei kann die Rebsorte nicht nur langlebige Weine hervorbringen, sondern wie keine andere die Charakteristik ihrer Herkunft zeigen, ohne dabei Identität oder Typizität aufzugeben. Riesling fordert. Die Reborte zeigt sich in ihrer ganzen Größe nur dem, der sich nicht mit dem ersten Schluck zufrieden gibt. Riesling ist anziehend, kann gleichzeitig aber auch abweisend sein, bis man ihm die Aufmerksamkeit widmet, die er für sich bansprucht. Die Stärke des Rieslings liegt in der Begegnung von feinen, eleganten Nuancen und dem Facettenreichtum der unterschiedlichen Aromen. Dazu kommt das tänzerische Spiel der manchmal recht pikanten, delikaten Säure, die Finesse und gewünschte Brillianz zum Vorschein bringt. Das Widersprüchliche in seinem Charakter ist jener Spielraum von trocken bis edelsüß, den der Riesling in seiner langen Vegetations- und Reifephase zulässt. Darin liegt sicherlich ein Grund für den Mythos, der die Rebsorte umgibt und sie so attraktiv und reizvoll macht.

Seit einigen Jahren spricht die Weinwelt von einer Rielsing-Renaissance, und es scheint, dass die Entdeckung deR Rebsorte in der Neuen Welt keineswegs eine Modewelle ist, die mit dem globalen Weinzirkus weiterzieht. Denn sicher ist, dass keine andere weiße Sorte mit geringem Alkoholgehalt so viel Abwechslung und unterschiedliche geschmackliche Facetten bietet. Darin liegt die Spannung des Rieslings. Er ist dennoch nicht jedermanns Geschmack und lässt sich schon wegen seiner vegetativen Vorliebe für kühle Klimazonen und der damit beschränkt zur Verfügung stehenden Anbaufläche nur schwer in das Korsett eines vermeintlichen Massengeschmacks zwingen.

Riesling leistet Widerstand

So gesehen ist der Riesling vielleicht ein Relikt aus einer alten Wein- und Geschmackswelt, eine Reminiszenz an die traditionelle handwerkliche Winzerkunst und  an den Gedanken, dass Weinbau über Jahrhunderte hinweg individuelle Landwirtschaft bedeutete, also ein Geben und Nehmen von Mensch und Natur in einem letztlich unberechenbaren Abhängigkeitsverhältnis. Mit ungewissem Ausgang. Aber vor allem mit individuellen Zügen.